Derjenige, der Angst vor Veränderung hat, wird sich schon bald mit Angst und Veränderung wiederfinden.“

Diese frei nach Dürrenmatt zitierte Lebensweisheit beinhaltet auch in Hinblick auf das Singenlernen und -lehren viel Wahres. Veränderung soll heissen: stimmliches, musikalisches und menschliches Wachsen. Es bedeutet, Gewohnheiten zu hinterfragen, (sich) neu zu definieren und beispielsweise zu lernen, mit seinen Ohren zu ‚(er)spüren‘ oder mit seinen Muskeln zu ‚hören‘.

Meiner Meinung nach soll man eine Stimme nicht wie einen Weihnachtsbaum mit allen möglichen technischen Accessoires vollhängen. Was mich als Lehrer interessiert, ist dabei zu helfen, dass sich der Kern einer unmittelbar ansprechenden Stimme entfalten kann. Diese Entwicklung braucht Zeit, athletische Ausdauer, wache Geduld und gegenseitige Offenheit.

Jede Sängerin und jeder Sänger bringt unterschiedliche angeborene wie auch angelernte Voraussetzungen hinsichtlich des Resonanzraumes, der Körperhaltung und des -bewusstseins, des Artikulationsvermögens oder der Vorstellungskraft mit sich. Es kann kein Einheitsrezept für die Entwicklung einer Stimme geben, da die Zutaten immer verschieden sind. Als Lehrer baut man auf Vorhandenem auf und in diesem Sinne sollte sich guter Unterricht eher als ein Ersetzen oder Hinzufügen und weniger als ein Wegnehmen verstehen. Einer der wichtigsten Bausteine meiner Unterrichtsphilosophie ist die Schulung des technisch-analytisch filternden Gehörs. Ich bin überzeugt davon, dass es für jede Lernstufe einen ‚Idealton’ gibt, der sich durch einen frei schwingenden und obertonreichen Klang auszeichnet, der sich der musikalischen Interpretation willig zur Verfügung stellt. Auch eine von Natur aus nicht überdurchschnittlich grosse Stimme kann meiner Meinung nach bei richtiger Repertoirewahl, stilsicherem Singen und mit Hilfe einer ausbalancierten Resonanz, deren Freund die Sprache ist, bühnenwirksame Tragfähigkeit entfalten und erhalten.

Kein Lehrer sollte von sich behaupten, die ‚Weisheit gepachtet‘ zu haben. Ich bin grundsätzlich sehr offen dafür, dass sich Studenten (und Lehrer) Rat holen und die eigene und andere Sichtweisen (zusammen) hinterfragen. Im Rahmen einer Hochschulausbildung helfen gemeinsame Klassenabende dabei, seine Urteilsfähigkeit differenziert auszubauen und konstruktiv kritisieren zu lernen. Gleichzeitig zwei Hauptfachlehrer zu haben, funktioniert meiner Erfahrung nach fast nie und kann eine Weiterentwicklung geradezu verhindern.

Langfristig gesehen soll sich ein gut ausgewogener Unterricht, fern von jeder ungesunden An- und Abhängigkeit als Hilfe zur Selbsthilfe verstehen. Endziel: Selbständigkeit, Persönlichkeitsentfaltung und Langlebigkeit. Für eine Konsultationsstunde können Sie mich gerne kontaktieren!

Von einer Sängerin oder einem Sänger, der auf dem heutigen Markt bestehen will, wird eine extrem hohe Anpassungsfähigkeit, stimmliche, musikalische und emotionale Flexibilität, aber auch Charakterstärke verlangt! Es wird erwartet, dass man sich in den verschiedensten Stilen sicher zu bewegen weiss. Darum ist es beispielsweise günstig, gelernt zu haben, barocke Aufführungspraxis auch in einem eigentlich viel zu grossen Konzertsaal umsetzen zu können oder liedhafte Sprachhaftigkeit auch auf der Opernbühne nicht zu verlieren. Technische Effizienz ist auch dort die Grundlage für die Freiheit des Gestaltens.

Ich war in meiner bisherigen Laufbahn immer extrem neugierig und schätze mich glücklich, an meinen Erfahrungen in Oper, Oratorium und Lied wachsen zu können. Das Singen, Sprechen und Unterrichten in verschiedenen Sprachen und Stilen fasziniert mich und bereichert mich menschlich. Der Sängerberuf kann zwar manchmal knallhart, aber zugleich auch höchst erhebend sein!